DIE totale Sonnenfinsternis


Cala Estellencs auf Mallorca am 12. August 2026 zur totalen Sonnenfinsternis.

Seit 2 Jahren plane ich meinen 60sten Geburtstag. Ja genau. Am 12. August. Aber nicht nur das: Ich bin 20:39 geboren und die totale Finsternis begann 20:31 Uhr. Also 8min vor der exakten Vollendung. 8? Ja natürlich: August, der 8te Monat des Jahres.

Durch verschiedene glückliche aber auch unglückliche Umstände hat der Tag am Ende zu fast 100% meinen Vorstellungen entsprochen.

Alles fing damit an, dass enge Freunde von uns sich ein Haus auf Mallorca kauften und damit bezahlbarer Urlaub möglich schien.

Bereits vor 2! Jahren (meinem ersten Urlaub auf der Insel) schrieb/fragte ich einige Lokalitäten (Hotel, Restaurant, Imbissbude etc.) ob es möglich wäre, für den 12.8.26 etwas zu buchen. Von dem Haus unserer Freunde konnte man die Finsternis nicht beobachten. Man musste schon über die Berge des Tramuntana an die Westküste. No no. Alle waren bereits ausgebucht (ich hätte Stammkunden sicher auch den Vorzug gegeben, als einem deutschen unbekanntem Touristen). Auch ein Versuch über die Verwandtschaft unserer Schwiegertochter (mit spanischen Wurzeln) brachte keine Gewissheit.

Also flog ich bereits im April (mit ähnlichem Sonnenstand) auf die Insel und erkundete die Westküste mit einer Vespa. Damit traut man sich auf engen Straßen und Gässchen durch Orte, wo man sich mit dem Auto nie hin wagen würde. Verwundert, dass am Ende eigentlich nur einige für mich nicht in Frage kommende Touristenhotspots verlockend erschienen, blieb am Ende eigentlich nur nur EINE kleine Bucht (mit freier Blickrichtung zur Abendsonne und schattigen Abschnitten). Cala Estellencs.

Voller Hoffnung flogen wir zu viert genau einer Woche vor dem Event los und schon begannen die Probleme. Zufällig fiel mir beim Checkin auf, dass der Flug bereits 90min früher startete, als ich ihn gebucht hatte. Nachmittags ok. Früh halb acht hätte es mich von den Socken gehauen.

Gleich nach der Landung begaben wir uns zum Mietwagenverleih (Goldcar in 4. Instanz). Obwohl vertraglich ausdrücklich ausgewiesen, wurde die Kaution per Debit-Kreditkarte vor Ort abgelehnt. Die Dame vor Ort schien auch wenig interessiert zu sein, unsere Not zu lindern. Nun schaltete sich unsere Schwiegertochter auf spanisch ein. Dies brachte etwas Bewegung in die Sache. Allerdings mit der Folge, sich in juristischen Spitzfindigkeiten zu verlieren. Hier konnte nur noch einer für Klärung sorgen: ihr Vater. Redegewandt und (als Autohändler) sachverständig wie ein Idetiker, brach er telefonisch das Eis und zauberte das ein oder andere Lächeln auf besagte Dame. Auch wenn es am Ende die berüchtigte Abzocke der Autovermieter mit separater Vollkasko war, erhielt ich nun doch mit meiner Debitkarte und OHNE Kaution einen Mietwagen. Mittlerweile sehr charmant, verkündete uns die Mitarbeiterin nun, wir würden sogar ein Fahrzeug einer höheren Klasse zum kleineren Preis erhalten: einen kleinen SUV. Nach mittlerweile 30minütigem Verkaufsgespräch erhielten wir endlich einen fahrbaren Untersatz.

Gleich am nächsten Tag nach Ankunft fuhren wir mit unseren Freunden in die kleine Bucht um die Lage in der Hochsaison zu peilen. Die eng(st)en Serpentinen durch schwach besiedelte Abhänge sorgte für zusätzliche Schweißperlen auf der Haut meiner Freunde. Ich hatte ja bereits Heimvorteil. Wir kamen wohlbehalten in der süßen Bucht an und nahmen in einer typisch spanischen kleinen Strandbar ein köstliches Getränk. Besucherandrang trotz Hochsaison? Fehlanzeige. Meine erste Vermutung sah sich bestätigt: möglicherweise der perfekte Ort für ein würdiges Finale.

Doch schon am nächsten Tage zogen nicht nur am Himmel sondern auch in der lokalen Presse Gewitterwolken auf: großräumige Straßensperrungen der gesammten Küstenstraße MA-10 durch die Polizei für Autos UND sogar Motorräder sind beschlossene Sache. Selbst von Unterstützung durch Militär war die Rede. Spätestens ab 15 Uhr (je nach Besucheransturm), bedeutete sehr wahrscheinlich schon zur Mittagszeit. Bei unserer längeren Anreise wurde die Abfahrtszeit auf 10 Uhr vorverlegt. Dann noch das offizielle Statement: Bleiben Sie nach Möglichkeit zu Hause oder im Hotel. Wir können niemandem die Sicht auf die Finsterniss garantieren. Bei ca. 1 Million Mallorquiner und 500.000 Besuchern in der Hochsaison verständlich. Aber auch sehr frustrierend für mich. Mein Plan schien sich in Luft aufzulösen.

Ein weiteres Problem wuchs zur Katastrophe an: nirgends war eine Finsternisbrille aufzutreiben. Selbst in Deutschland (mit bis zu 85% Bedeckung) schmiss man sie den Kunden hinterher. Hier? Totale Flaute. Als würden sie nur unter der Hand zwischen Einheimischen verkauft. Schlimmstenfalls musste es ohne gehen.

Das Wochenende näherte sich und die Freude auf weitere Gäste überwog dieses kleinere Problem. Doch dann die traurige Botschaft, dass die Mutter verstorben sei und mit einer Anreise nicht mehr zu rechnen ist. Trauer. Aber da kommt ja noch ein Pärchen 2 Stunden später an. Die Mitnahme vom Flughafen war schon geregelt. Dann am gleichen Morgen ein Anruf aus der Notaufnahme. Ein Zahnproblem der heftigen Art hatte sich bereits am Freitag Abend eingestellt (welcher Zeitpunkt ist besser als direkt vor einem Wochende) und sich nicht gelindert. Eine OP-Termin für den übernächsten Tag musste anberaumt werden. Möchte man sicher nicht mit Übersetzer-App im Ausland antreten. Also die zweite verbindliche Absage. Noch bitterer für die Betroffenen ohne Ausfallversicherung. Kopf hoch dachte ich.

Zurück zu meinem Plan. Ein B musste her. Wenn man es nicht bis zur Westküste schaffen sollte, bot sich vielleicht die Südküste als Alternative an. Also ab bis zum südlichsten Punkt der Insel und tatsächlich: Auch von hier könnte die Finsternis gut zu beobachten sein. Doch null Schatten (Bewuchs bis zum Bauchnabel), Besucherandrang und felsig zerklüfteter Untergrund luden absolut gar nicht zum Verweilen ein. Für gute Plätze musste man vermutlich schon vor dem Aufstehen hier angekommen sein. Abgesehen davon sprach auch die Tatsache dagegen, dass es nur eine einzige enge Zufahrtsstraße gibt. Na ja. Trotz allem vielleicht die Notlösung.

Schon am nächsten Tag die nächste Hiobsbotschaft: eine Liste der gesperrten Straßen. Alle ins Kalkül gezogenen waren dabei. Verdammt. Wollten die mir wirklich alle meinen Jubiläum verderben? Wer hatte denn schon an diesem Tag Geburtstag, noch dazu ein Jubiläum? Ok, statistisch ~2.500 Inselianer, Jubilare zwischen 50 und 80 (& Besucher mit Anreisekosten) ~90. Naja. Wenigsten diese könnten sie doch durchlassen. Ausweispflicht könnte ich akzeptieren. Ups. Meiner läuft am 31.8. ab. Passt aber noch.

Dann kam mir eine Idee: Warum sollte ich nicht nochmal versuchen, in der kleinen Felsenbar einen Tisch zu reservieren? Natürlich nicht ich ich. Sondern Melissa mit ihrem akzentfreien Spanisch (nutzt aber auch nicht immer was, wenn man an alteingessesene Malloquiner gerät, das verstehen auch Spanier kaum). Gesagt getan. Telefonnummer aus dem Netz rausgesucht: Kein Anschluss unter dieser Nummer! Gibts doch nicht. Doch dann plötzlich taucht die Nummer in den Whatsapp Chats auf. Also flugs eine Message verfasst. Stille. Doch dann: Alles reserviert. Nur von 13-15 Uhr wäre noch ein einziger 4er-Tisch frei. Um diese Zeit geht kein Einheimischer aus dem Haus. Natürlich sagen wir sofort zu. Benötigt wird ein Ausweis (am bestens ein spanischer?) und ein Kfz-Kennzeichen. Man versuche sein Bestes. Gegen Abend (des nächsten Tages) sollten wir eine Reservierungs-Bestätigung bekommen. Wieder warten und hoffen. Und sie kam.

Um die Wartezeit zu verkürzen, besuchten wir andere Freunde aus Halle in ihrer Finca. Nach einem leckeren Grillabend und unserer Nachfrage wo sie sich Finsternisbrillen besorgt hatten, grinsten die beiden Herren: Natürlich aus der Heimat mitgebracht. Für den Leiter des Planetariums Halle und den Vorsitzenden des Fördervereins Planetarium eine Ehrensache. Eine konnten sie entbehren. Natürlich mit Logo aus der Heimat. Wo sie die Finsternis erleben wollten? Hochebene. Ebenfalls karg und schattenlos (wie unser Plan B).

Beim Abschied wünschten sich alle gegenseitig viel Glück und mein Blick viel auf ihre beiden Mietwagen. Der gleiche SUV, den wir bekommen hatten. Gleiche Farbe. UND gleiches Kfz-Kennzeichen? Ne natürlich nicht. ABER: Nahezu identisch. Nur ein Zahlendreher, aber sonst exakt.

Das der Zahlendreher meine Geburtstagsminute ist, hatte ich erwähnt?

Mit einem leckeren Grillabend feierten wir einen Tag später in mein Jubiläum hinein. Reste sollte als Proviant für den Feiertag dienen. Abfahrt geplant für spätestens 10 Uhr (war natürlich nicht zu schaffen, aber immerhin halb elf).

Nach einer Auseinandersetzung mit dem Navi des Mietwagens (ich habe gewonnen) gelangten wir immer näher an die Westküste. Kein Stress. Kein Ansturm. Nix. Hatten wir uns im Tag geirrt? Dann plötzlich Stau. Nichts geht mehr? Unfall? Sehr stockend geht es weiter. Nach 20min wird die Ursache klar: Polizeikontrolle. Also doch Sperrung. Nur drei Stunden zu früh. Verdammt. Diese verrückten Sonnenanbeter. Alles Frühaufsteher. Ein Mallorquiner (Melissa verstand kaum etwas von seinem Gerede) rannte aufgeregt von Wagen zu Wagen und zur Polizei und wieder zurück. Er schien sich zu beschweren, dass es Einheimischen nicht leichter als Urlaubern gemacht werde, am Event des Jahrhunderts teilnehmen zu dürfen. Das ging ja gut los.

Als wir an der Reihe waren öffnete Melissa ihr Fenster und sah den Polizisten ehrfurchtsvoll an. „Haben Sie einen Grund hier durchzufahren?“ Aus ihr sprudelte es (wie besprochen und geprobt) hervor: „Natürlich. Wir haben einen Tisch in der Bar in Estellencs bestellt.“ Der Beamte wollte daraufhin unsere Reservierungs­bestätigung sehen und gab den Weg nach höchstens 128ms frei. Kaum zu glauben, wir waren priviligiert genug.

Die MA-10 glich einer Geisterstraße. An jedem freien Fleckchen standen parkende Autos. Zu sehen kaum ein Mensch. Ach ja, Siesta. Nur Touris waren jetzt noch unterwegs. Die Blöden. So wie wir.

In Estellencs angekommen erneute Sperre an der Abfahrt zur Bucht: Auch hier gab unsere Reservierungsbestätigung den Weg in Bruchteilen einer Sekunde frei. Dann aber erneute Absperrung (wo ich eigentlich lang wollte) so blieb nur ein unbekannter Weg nach unten. Wo hier Autos langfahren sollen können fehlten von Hauswand zum Außenspiegel auf beiden Seiten 2 Finger breit. Ganz zu schweigen von noch engeren Kurven. Auch temporär aufgestellte Richtungsschilder konnten kein Vertrauen erwecken. Das konnte nicht der richtige Weg sein. Also wieder zurück. Bloß wie? Rückwärts? Deswegen vielleicht die Vollkasko? Dann gab es eine halbe Stelle zum Wenden, welche ich nutzen konnte und ab nach oben. An der besagten letzten Sperre hatte sich zuvor ein Einheimischer durch Wegräumen Zufahrt verschafft. Das musste doch auch für uns möglich sein. Doch genau in dem Moment kam aus der gewollten Richtung die Polizei angefahren. Wir wurden erneut kurz verhört (nein ehrlich: die spanischen Polizisten waren super entspannt und freundlich) um uns dann der gleichen Tortur zu unterwerfen: Ab, da geht es lang, den Schildern folgen. Also erneut 2 Finger breit und weitere Kurven und natürlich: plötzlich kam uns ein Lieferwagen ENTGEGEN. Nach einigen mehrsprachigen Gestikulierungen war klar: Er wollte in eine Einfahrt, damit wir (und mittlerweile weitere Autos hinter uns) passieren konnten. Doch so einfach war das nicht. Erstmal musste jongliert werden. SUV und Insassen waren kurz vor dem Kollabieren. Der geneigte Leser möge auch die Vogelperspektive des Navi einer näheren Begutachtung unterziehen…

Endlich angekommen auf einem verlassen Fußballfeld mit ca. 20 Autos, bemerkten wir beim Aussteigen den Geruch von verbranntem Gummi. Vermutlich brachte die Kupplung ihren Ärger über so ein nervenaufreibendes Vor und Zurück unverblümt zum Ausdruck. Wie hier ein Pannenhelfer herfinden sollte, bleibt unbeantwortet.

Schlappe 25min Fußweg in brütender Hitze lagen noch vor uns. Wussten wir natürlich noch nicht. Wir gingen erstmal ohne Gepäck und Verpflegung schnurstracks in Richtung Strandbar. Unser Termin 13 Uhr war nicht mehr zu halten. Aber versuchen wollten wir es wenigstens. Deutsche halt. Irgendwie zog uns die Schwerkraft nach unten und dann öffnete sich der Blick in meine auserwählte Bucht. Sie war kaum mehr bevölkert als an jedem anderen Tag. Der Run hatte also noch nicht begonnen?

In der Bar angekommen, sahen wir nur zwei (freie) Tische mit einem Reservierungsschildchen. Der im Schatten schien verlockend. Wir wollten aber nicht unhöflich sein und nahmen Kontakt mit dem Personal auf. Nix da. Unser Tisch war der andere, weit sonniger. Aber: Tisch Nr. 12. Kein Witz. Darüber musste sogar Melissa schmunzeln.

Wir bestellten reichlich Bier und Wasser, Melonensalat, gegrillte Garnelen (wirklich heiß) und Hähnchen. Außerdem noch feines Dessert: Eis am Stiel. Pünktlich 15 Uhr wurden wir der Klippe verwiesen. Die Rechnung: Ehrlich: 121.20€. Lies nochmal richtig: 12120. Dafür, dass es nichts für 8Cent gab, kann ich nichts. Auch Trinkgeld in Höhe von 8Cent verwarf ich aus Pietätsgründen. Schließlich hatte die Barchefin uns überhaupt erst reingelassen (nicht Polizei oder Militär hatten hier das Sagen). Das wurde belohnt.

Gut gestärkt und befeuchtet suchten wir erstmal Schatten. Ein riesiger Findling unter einem Felsvorsprung gab uns ein neues Zuhause. Baden wäre jetzt eine gute Idee. Wo waren gleich nochmal unsere Badesachen? Na klar. Im Auto. 25min und 25+°C über uns. Verdammt. Froh einen begehrten dunklen Ort ergattert zu haben bevor die große Besucherwelle anrollte, wollten wir nicht sofort wieder zum Auto zurück. Aber die Badesucht trieb uns dann doch alsbald wieder in ungeliebte Höhen (schließlich wussten wir ja mittlerweile um die Länge des Weges). Egal. Irgendwie mussten wir ja die Zeit bis zum Abend totschlagen.

Totschlagen trifft es ziemlich gut. Mir lief wirklich der Schweiß, als stünde ich unter der Dusche. Wir waren mal in Südfrankreich in der Ardeche im Hochsommer. Dort hielt ich es nur noch mit nassem Handtuch über Kopf und Oberkörper aus und habe mir geschworen, es nie wieder soweit kommen zu lassen. Ein Kinderspiel im Vergleich. Aber irgendwie erreichten wir das Auto. Zündschlüssel ins Schloss. Drehen und: Laden des Handyakkus. Die Prozente schwanden schneller als mir lieb war. Ich brauchte ja noch wer weiß wieviel. Mein schickes Geburtstagshemd hatte seinen Dienst getan. Ausgewrungen wäre bestimmt ein viertel Liter Salzlurke auf die Waage gelangt. Außerdem hatten die Garnelen vehement ihr Veto gegen den Verzehr eingelegt und meine Ignoranz mit jeder Menge Fettspritzern beantwortet.

Und wieder ab nach unten. Selbst die Schwerkraft schien sich einzubüßen bei der Hitze und Gezeitenkraft des Mondes (bin überzeugt von dessen Relevanz). Aber irgendwie kamen wir unten wieder an. Diesmal mit 2 Taschen bestückt, hatten wir nun Badesachen und Verpflegung dabei (richtig satt ist vom Imbiss niemand geworden). Doch bevor ich an irgendetwas anderes denken konnte, begab ich mich zum Alleinstellungsmerkmal der Cala Estellencs: Eine kalte Naturdusche (22°) fließt mitten aus dem Gestein. Der absolute Hammer. Mit leichtem Sommerhemd und Badehose lies ich mich klatschnass beschütten.

Die kleine Felsenbar bietet einen Vorsprung an den Klippen, der sich wunderbar zum Reinspringen eignet. Gesagt getan. Das Rauskommen war schwieriger wegen Algenbefalls und leichter Brandung. Auch Baden und Schnorcheln ließ es sich (bis auf den Zugang zum Wasser) gut. Alle Anwesenden schienen sehr entspannt. Von Sofi kaum etwas zu spüren.

Gegen 19 Uhr kam dann doch etwas Bewegung in die Runde. Einige nahmen exponierte Plätze ein und die ersten Brillen wurden einem Eignungstest unterzogen. Er schien ausnahmlos gelungen. Der von mir befürchtete (aber insgeheim NICHT erhoffte) Ansturm blieb tatsächlich aus. Kein Gedränge, keine Hektik, nur vorfreudiges Lächeln in den Gesichtern. Ein paar Engländer, Niederländer und natürlich etwas geringfügig mehr Deutsche teilten sich in wunderbarer Hamonie das grandiose Stückchen Erde. Auch das Wetter schien der Bucht wohlgesonnen.

Auch die Polizei schaute per Helikopter, ob das Meer noch die Westküste berührte und wirklich jeder eine Sofi-Brille trug.

Dann der Erstkontakt: Ein winziges Pünktchen am rechten unteren Rand kündigte Phänomenales an. Es ist verblüffend, mit welcher Leuchtkraft sich die Sonne gegen den Mond behauptet. Erst ab ca. 99% Bedeckung sinkt die Helligkeit dramatisch. Also gegen 20:30 Uhr. Wenn ihr genau schaut, sieht man in der Spiegelung der Kamera die tatsächliche Bedeckung (um 180° gedreht):

Dann um 20:31 beginnt das Spektakel. Es ist nach meiner Hochzeit und der Geburt unseres Sohnes der bewegendste Moment meines Lebens. Auch mit der Sonnenfinsternis 1999 die wir schon erlebten, absolut nicht zu vergleichen. Im Vergleich zu unseren Planetariumsfreunden hatten wir klare Sicht auf den Stern. Vergesst nicht die Bilder zum Vergrößern anzuklicken.

Die Menschen klatschten und johlten 96 Sekunden lang, dass es zu Tränen rührte. Naja. Bin ja nun auch ein alter Sack. Mein schönstes Foto seht ihr nachfolgend. Es beschreibt wie kein anderes nicht nur die Totalität (mit der sichtbaren Lichtstreuung zu beiden Seiten) sondern völlig entspannt auch das Fehlen jeglicher Massenhysterie (als gäb es jedes Jahr eine solche). Stimmt sogar. Am 1. August 2027 gegen 9 Uhr gibt es in der Straße von Gibraltar die nächste totale. Aber dann ist Schluss für mich. Die nächste in Europa erst 2081:

Dann in Sekunde 97: Ein Diamantblitz erscheint am rechten Rand und lässt die Besucher noch einmal aufjauchzen. Ein Wolkenschleier unterhalb der Sonne und eine lange (vermutlich von Staus verzögerte) Heimfahrt von über 2 Stunden bewog uns, die Bucht alsbald zu verlassen. Doch so einfach wollte uns das Gestirn nicht gehen lassen. Es kam schneller wieder hervor als gedacht und lieferte den wohl spektakulärsten Sonnenuntergang des Jahrhunderts (statistisch gesehen sogar der nächsten 375 Jahre). Am Ende sank die Sonne wie ein Piratensegel ins Meer.

Die Rückfahrt verlief unfassbar reibungslos. Zunächst wurden wir vom Fußballfeld wieder in die Bucht hinuntergespült und an der anderen Seite in den Ort zurück. Einzig in Banyalbufar verkeilte sich ein Shuttle-Bus mit einem entgegenkommenden Pkw, so dass die Polizei eingreifen musste um den Stau aufzulösen. Aber sonst waren die Straßen auch wieder weit entfernt von dichtem Verkehr. Einzig die Shuttelbusse selbst begegneten sich immer mal wieder (natürlich in den engen Kurven, wo selbst ein einzelner kaum durchkommt). Die Organisatoren hatte beeindruckende Arbeit geleistet. Unvorstellbar in Deutschland. Wir erreichten unsere Unterkunft wohlbehalten und überglücklich (mit nur einem kleinen Umweg) in Maria de la Salut.

Wenn ich das ganze Event Revue passieren lasse, glaube ich, dass die Verkettung aller Umstände nur in dieser Form das Ereignis wahr werden ließen. Zu sechst oder acht hätten wir vermutlich gar keine Reservierung bekommen und hätten heulend unverrichterter Dinge wieder umkehren müssen.

P.S.: Der Zahn wurde entfernt, die Gesichtszüge wieder menschlich und die Antibiotika aufgefuttert. Mit einer Woche Verspätung kommen zwei meiner Gäste nun aber doch noch nach und wir verbringen noch ein paar schöne Tage.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert